Erstellungsdatum: 26.01.06
Letzte Änderung: 22.09.09
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Talmudzitate
Von den folgenden, im Internet kursierenden Talmudzitaten wird
manchmal behauptet, sie seien gefälscht oder aus dem Zusammenhang
gerissen. Um das aufzuklären, sind hier einmal die Quellenangaben der
einzelnen Sprüche mit Scans der entsprechenden Seiten des
Talmud der Hamburger Staatsbibliothek (Lesesaal H Jud 44/3 - Stand 21.01.08) verlinkt. Meine Quelle für die Zitate war ein Usenetposting von Fred Molnar.
Die meisten Zitate konnte ich zumindest sinngemäß finden. Sie wurden
nach meiner Einschätzung einmal aus einer Auslegung oder
Zusammenfassung des Talmud entnommen. Erfälscht sind sie jedenfalls
nicht.
"Wenn jemand wünscht, daß seine Gelübde des
ganzen Jahres nichtig seien, so spreche er am Beginn des Jahres: jedes
Gelübde das ich tun werde, ist nichtig; nur muß er beim Geloben daran
denken."
Nedarim 23b
Das steht an der markierten Stelle.
"Die
Güter der Nichtjuden gleichen der Wüste, sie sind ein herrenloses Gut
und jeder, der zuerst von ihnen Besitz nimmt, erwirbt sie."
Bababathra 54b
Der Satz steht dort größtenteils. Da mir nicht klar wird, wie er dort gemeint ist, kann ich nichts zum Zusammenhang sagen.
"Dem Juden ist es erlaubt zum Nichtjuden zu
gehen, diesen zu täuschen und mit ihm Handel zu treiben, ihn zu
hintergehen und sein Geld zu nehmen. Denn das Vermögen des Nichtjuden
ist als Gemeineigentum anzusehen und es gehört dem ersten [Juden], der
es sich sichern kann."
Baba kamma 113a
Das Zitat kommt dort nicht wörtlich vor. Es ist aber von Raub und
Betrug an Nichtjuden die Rede und daß Raub verboten sein soll. Es wird
anekdotenhaft unkritisch berichtet, wie Juden Nichtjuden schon betrogen
haben (violett markiert) und ganz am Ende steht noch der Satz (blau
markiert): "Wenn er [der Nichtjude - HB] sich zu seinem Nachteile geirrt hat, dann braucht man ihn darauf nicht aufmerksam zu machen.".
"Wenn sich ein Nichtjude mit der Thora befaßt, so verdient er den Tod."
Synhedrin 59a
Die gelb markierte Stelle. Bemerkenswert finde ich hier noch die rot unterlegten Passagen: "Wenn ein Nichtjude einen Israeliten schlägt, so verdient er den Tod" und "Wenn jemand einen Israeliten ohrfeigt, dann ist es ebenso als hätte er die Göttlichkeit geohrfeigt."
"Die Wohnung eines Nichtjuden wird nicht als Wohnung betrachtet."
Erubin 75a
Das steht dort sinngemäß.
"Den besten der Gojim [Nichtjuden -HB] sollst du töten."
Kiduschin 40b
Das steht dort weder wörtlich noch sinngemäß. Es ist von völlig
anderen Dingen die Rede. (Es gibt zwei Talmude: Den Babylonischen und
den Jerusalemer. Ich habe jetzt woanders gelesen, daß sich diese
Quellenangabe auf den mir nicht vorliegenden Jerusalemer Talmud
beziehen soll. Da ich fast alle anderen Zitate wiederfinden konnte,
finde ich das plausibel.)
"Weshalb sind die Nichtjuden schmutzig?
Weil sie am Berge Sinaj nicht gestanden haben. Als nämlich die Schlange
der Chava beiwohnte, impfte sie ihr einen Schmutz ein; bei den
Jisraeliten, die am Berge Sinaj gestanden haben, verlor sich der
Schmutz, bei den Nichtjuden aber verlor er sich nicht."
Aboda zara 22b
Das steht sinngemäß an der gelb markierten Stelle. Besonders drollig ist auch noch die rot markierte Textstelle: "Man darf kein Vieh in ein Wirtshaus von Nichtjuden einstellen, weil sie der Bestialität verdächtig sind.".
"Sobald der Messias kommt, sind alle [Nichtjuden] Sklaven der Jisraeliten."
Erubin 43b
Es steht an der markierten Stelle.
"Wer die Scharen der Gojim [Nichtjuden -HB] sieht, spreche: Beschämt ist eure Mutter, zu Schande die euch geboren hat."
Berakhoth 58a
Das steht dort.
"Wer die Gräber der Gojim [Nichtjuden -HB] sieht, spreche: Beschämt ist eure Mutter, zu Schande die euch geboren hat."
Berakhoth 58b
Das ebenfalls.
"Eher gib einem Jisraeliten umsonst als einem Nichtjuden auf Wucher."
Baba mezia 71a
Das steht dort.
"Ihr aber seid meine Schafe, die Schafe
meiner Weide, Menschen seid ihr, ihr heißt Menschen, nicht aber heißen
die weltlichen Völker Menschen, sondern Vieh."
Baba mezia 114b
An der markierten Stelle.
"Der Samen der Nichtjuden ist Viehsamen."
Jabmuth 94b
Es geht entfernt um das Thema, aber ich kann das Zitat nicht finden.
"Der Beischlaf der Nichtjuden ist wie Beischlaf der Viecher."
Aboda zara 22b
Der Satz steht dort zwar nicht, aber dafür einige Dinge, die seine
Aussage möglicherweise implizieren. Es sieht für mich so aus, als ob
das Zitat aus einer Zusammenfassung dieser Passage stammt.
"Ein Mädchen von drei Jahren und einem Tag ist zum Beischlaf geeignet."
Jabmuth 57b,
Jabmuth 60a,
Aboda zara 37a
Im ersten habe ich es gefunden und in den anderen beiden ist auch von so etwas in der Art die Rede.
"Der Notzüchter braucht kein Schmerzensgeld
zu zahlen, weil das Mädchen diese Schmerzen später unter ihrem Ehemann
gehabt haben würde."
Baba kamma 59a
Das zitiert dort jemand als Lehre eines anderen, teilt dessen Auffassung aber nicht: "Die freiwillige Beschlafung ist nicht mit der gewaltsamen zu vergleichen." Man kann also sagen, daß dieses Zitat aus dem Zusammenhang gerissen ist.
Nachtrag vom 30.08.08: Bis vor kurzem konnte man unter dem o. g. Link
viele von Fred Molnar initiierte Usenetdiskussionen über Talmudzitate
finden und jetzt nur noch eine einzige. Seine Artikel sind offenbar
systematisch aus Google-Groups entfernt worden. Das kann irgendeine
Privatperson gewesen sein, die in den Besitz von Freds E-Mail-Adresse
gekommen ist.
Nachtrag vom 07.09.08: Heute findet man dort, anstatt
zwischenzeitlich nur einem, 47 Treffer. Ich hatte mir nicht genau
gemerkt, wie viele es früher waren. Die Löschungen sind in den letzten
Tagen also zumindest teilweise rückgängig gemacht worden.
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